BE-SINNLICH

Blog vom 2. Dezember 2025

Unser Märitthema: BE-SINNLICH

Schläft ein Lied in allen Dingen

die da träumen fort und fort

und die Welt fängt an zu singen

triffst du nur das Zauberwort

Joseph von Eichendorff

Unser Weihnachtsmärit hat begonnen. Letzten Samstag. ‘Rein äussserlich’ gesehen …

Nun fragt es sich doch, ob das Lied (unseres Marktes) nicht schon viel länger in unseren Herzen schläft! - Und wann beginnt es ‘zu singen’?

Am 16. Dezember des vorigen Jahres steht im Blogeintrag:

‘Es liegt noch etwas viel Tieferes im Urgrund dieses Marktes, etwas Unaussprechliches, etwas irgendwie Gültigeres, leise Verbindendes: Wir geben uns jedes Jahr ein ‘Märit-Thema’! Was bedeutet es? Wer bemerkt es? Wie begleitet es uns über die Wochen davor, wie während des Marktes? Hat es irgendeine Wirkung? Auf wen? Auf was? Sprechen wir miteinander darüber? Oder tragen wir es ‘nur’ still im Herzen? Oder ignorieren, übersehen wir es, vergessen es gar? Oder: hat es Einfluss auf uns als Gemeinschaft?

Bei mir jedenfalls wuselt es, zuweilen nachts. Das Thema fragt mich an: was trägst du dazu bei? Sieht man etwas davon: wenn auch nur eine kleine Spur? Oder steht es einfach auf unseren Plakaten und Einladungs-Karten? Weitgehend unbeachtet? ‘

Dieses Jahr ist unser Thema besonders anregend und geheimnisvoll!

BE-SINNLICH!

Wie ‘verläuft’ denn eigentlich diese leise Spur vom Sinnlichen, Wahrnehmbaren, Anfassbaren der Aussenwelt, der Sinneswelt, - nach innen?

Denn: be-sinnlich gehört doch zu unserem Innen-Erleben, oder?

Jetzt haben bereits einige Handwerkskunst-KollegInnen vom Märit so eine kleine Box aufgestellt. Marianne, die Weberin, zum Beispiel: da gibt es 15 verschiedene Möglichkeiten, den Tastsinn (ua) anzuregen. Mit ganz feinen Nuancen des vermeintlich Gleichen: Fasern! Da muss man eigentlich die Augen schliessen, um diesen Feinheiten ‘auf die Spur’ zu kommen. Und, ganz wichtig: beim Erleben der Qualitäten, der Eigenschaften zu bleiben. Denn wenn du anfängst, zu ‘benamsen’, zu deklarieren, ‘fest-zu-stellen’, wirst du genau unser Märitthema verpassen!

Denn be-sinnlich heisst doch eigentlich (zum Beispiel): etwas zu berühren, damit es dich berühren kann; und nicht, damit du weisst, was es ‘ist’. Oder es ‘haben’ kannst.

Be-sinnlich: das ist das geheimnisvolle ‘Zwischenfeld’ zwischen der wahrnehmbaren Aussenwelt und dem erkenntnismässig-deklarierbaren, wiss-baren, zuzuordnenden.

Es lebt von einer noch nicht zu ergründenden Reinheit und Unberührtheit.

Die ‘Dinge’, die auf unserem Märit – in bezug auf das Märit-Thema! - warten, das in ihnen ‘schlafende Lied’ zu entzaubern, sind in diesem Jahr nicht unsere (verkäuflichen) Märit-Kreationen, sondern jene ‘nebendran’, die weder mit Haben, Sein, Erwerben, Besitzen zu tun haben, sondern die für einen kleinen Augen-Blick uns zu voraussetzungslosen Brückenbauern zwischen der Sinnes-Welt und der Innenwelt machen …

Das Wundervolle am Gedicht von Eichendorff ist, dass die Entzauberung, das ‘Zauberwort’, rein gar nichts mit Gegenständlichem, Dinglichem (auch wenn von diesen angeregt) zu tun hat, sondern nur mit einer stillen inneren Sensibilisierung für die Vielfalt von Qualitäten, bzw. Eigenschaften; und mit der Kunst, für einen Augenblick nur dies zu würdigen und zu erleben, bevor der Trubel des Alltags, der Dinge, der Gegen-stände und des ‘Wissens’ und ‘Habens ‘uns wieder ‘gefangen’ nimmt.

In diesem Sinne be-sinnlich zu werden und für einen Moment zu verweilen, hat mit Gesundung, innerem Frieden und einer wesenhaften – in den äusseren Vorgängen innewohnenden - Wirklichkeit zu tun, die weit über unsere Tore zur Welt - der Sinnesorgane - hinausgeht, und uns mit Grösserem – vielleicht sogar ‘Ewigerem’ - zu verbinden vermag.

Dann kann es sein, dass alles ‘zu singen’ beginnt …!

In diesem Sinne: eine wunderbare be-sinnliche Adventszeit!

Christa Seiler

Berner Münster Weihnachtsmarkt 20251129 080948

EINS - SEIN 2024

Blog vom 16. Dezember 2024

EINS-SEIN: unser Märitthema!

Ob es so etwas nochmals gibt auf der Welt?

Das ist ein ungelüftetes Geheimnis, warum unser Märit jede Adventszeit diesen Zauber ausströmt: auf uns Handwerkskünstler, auf die Besucher …

Vielleicht liegt es äbe daran: dass wir

… nicht nur ‘Werker’ sind, Künstler mit Herzblut …

… nicht nur ‘Verkäufer’, die ihr Leben bestreiten mit dem Verkauf ihrer Werke …

… nicht aus auf schnelles Geld …

Es liegt noch etwas viel Tieferes im Urgrund dieses Marktes, etwas Unaussprechliches, etwas irgendwie Gültigeres, leise Verbindendes: Wir geben uns jedes Jahr ein ‘Märit-Thema’! Was bedeutet es? Wer bemerkt es? Wie begleitet es uns über die Wochen davor, wie während des Marktes? Hat es irgendeine Wirkung? Auf wen? Auf was? Sprechen wir miteinander darüber? Oder tragen wir es ‘nur’ still im Herzen? Oder ignorieren, übersehen wir es, vergessen es gar? Oder: hat es Einfluss auf uns als Gemeinschaft?

Bei mir jedenfalls wuselt es, zuweilen nachts. Das Thema fragt mich an: was trägst du dazu bei? Sieht man etwas davon: wenn auch nur eine kleine Spur? Oder steht es einfach – dieses Jahr als ein Doppel-Wörtli - auf unseren Plakaten und Einladungs-Karten? Weitgehend unbeachtet?

Äbe! Vielleicht ist dies das Geheimnis? Vielleicht bergen alle kleinen Worte, Begriffe so ein grosses Geheimnis! Vielleicht legen sie sich als stilles Fundament unter das Vordergründige? Sogar ‘unter’ einen kleinen Weihnachtsmarkt?

EINS-SEIN …

Wollen wir als Märit Eins sein? Oder als Weltgemeinschaft? Oder Ich und Du?

Oder ich in meinem Gestalten mit meinen Materialien? Oder ich mit mir?

So wie in jenem Gedicht von Juan Ramón Jiménez: ‘Ich bin nicht ich, ich bin jener, der an meiner Seite geht …’. Dort heisst es am Schluss: ‘… der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe’.

Unendlich viele herausfordernde Fragen kann man sich stellen. Und genau das ist das Schöne, das unseren Märit wie eine leise Melodie begleitet: dass wir im Stillen wie im Anschaulich-Werdenden stets auch ein wenig philosophieren! Denn zu denken und Gedanken auszutauschen: das ist ‘unsterblich’, unvergänglich!

Dies macht unseren Märit einmalig!

Allen - diesen Markt seit vielen Jahren tragenden - Handwerkskünstlern, wie auch allen ‘neuen’ ein riesiges DANKESCHÖN für die Bildung dieses Gesamtkunstwerkes; und all jenen treuen, wiederkehrenden Besuchern und Kunden, die niemals müde werden, uns zu sagen, was ihnen dieser Märit jedes Jahr von Neuem weihnachtlich bedeutet!

Kraniche, Symbole für Frieden, wurden vor dem Märit von unseren Märitleuten aus Papier gefertigt. Sie beflügeln jetzt unser Märit-Kulturbeizli. Sehenswert!

Gute friedvolle Feiertage! Christa Seiler

Berner Münster Weihnachtsmarkt 20241206 161102

OASE

Advent 2023: 40 Jahre Berner Münster Weihnachtsmarkt

Um das 40-Jahr-Jubiläum noch etwas intensiver zu würdigen, befragte ich während des Märits die Kolleginnen und Kollegen, die zu diesem Zeitpunkt anwesend waren!

  1. Wie lange bist du dabei?
  2. Was bedeutet dir dieser Märit?
  3. Sagst du ein Sätzli zu unserem diesjährigen Thema OASE ...?

Es sind eindrückliche und berührende Aussagen zusammengetragen worden. Leider konnten nicht alle an der Umfrage teilnehmen.
Die Beiträge sind ‘chronologisch’ geordnet, also nach der Dauer der Teilnahme an unserem Märit.

Danke an alle die mitmachten und so einen Beitrag zu einem würdigen Abschluss unseres Jubiläums beitrugen.
Allen anderen sei auch gedankt, im Verständnis dafür, dass es zuweilen nicht für alles reicht ...!

Aber innerlich ist klar, dass wir EINE Gemeinschaft sind!

... Und ausserdem: für einmal sei auch gedacht an die vielen stillen Helferinnen und Helfer (Verwandte, Partner, Freunde), die rund um unseren Märit wie Heinzelmännchen - oft fast unsichtbar - einen unendlich grossen Beitrag für unseren Märit leisten!

Alles Gute im Neuen Jahr – und bis im Advent 2024! Christa Seiler

Eva Heiniger Nähatelier Seit 1984: dem 1. Markt dabei!

Ja, nun sind es also schon 40 Jahre ... Ich war 38 Mal dabei ... unglaublich ....
Am Anfang noch mit Liliane gemeinsam am gleichen Stand. Damals mussten wir jeden Abend die Ware einpacken. Der Markt dauerte noch nicht so lange. Immer war es ein Ereignis, auf das wir uns schon das ganze Jahr freuten. Immer hatten wir Flausen im Kopf. Es wurde viel gelacht. Es waren wunderbare Zeiten.
Für mich stand eigentlich nie der Verkauf im Vordergrund. Ich habe immer spielerisch, kreativ, und – ganz wichtig – nach dem Lustprinzip gearbeitet. Dies konnte ich mir leisten, da ich früher als Dekorateurin und jetzt schon 36 Jahre bei Betax arbeite.
Für mich standen immer auch die Begegnungen – ich sage ihnen ‘Perlen’ – im Vordergrund. Wie viele Freundschaften haben sich in all den Jahren ergeben. Der Verlust von Francesca und später von Liliane – wir gingen schon zusammen zur Schule – haben mein Herz schwer gemacht. Ich merke, ich bin ernster geworden.
Seither ist der Märit nicht mehr derselbe für mich. Immer beim Aufbau überkommt mich Wehmut und Trauer.
So vergeht die Zeit, vieles ändert sich ...
Ich wünsche allen ganz viel Erfolg und Glück auf dem immer noch einzigartigen wunderbaren Märit an einem einmalig schönen Ort.
Herzliche Grüsse an alle
Eva

Theo Schulthess (gmbH) Kerzen Seit dem 1. Markt dabei

Der Markt ist und war immer wichtig für mich. Durch diesen Markt konnten wir auch eine treue Kundschaft aufbauen.
Es war durch die Jahre auch interessant, wie sich der Markt gewandelt hat. Schön war immer der persönliche Kontakt mit Menschen.

Hier traf ich immer wieder Bekannte, Freunde, die man durchs Jahr nicht gesehen hat.

Oase?

bedeutet für mich ein Ort, wo man über viele Jahre immer wieder Freunde, Menschen aller Couleur treffen kann. In einer sicheren, gemütlichen Umgebung.

Bärni von Wattenwyl Goldschmied Seit 1985 dabei

Wichtiger Anlass, um vom eigenen Handwerk leben zu können.
Viele schöne Begegnungen und Erinnerungen ....
Die Ruhe unseres Marktes, das einladende Angebot, die gute Stimmung: eine Oase im Weihnachtsrummel ...

Claudia Benes Goldschmiedin Seit 1986 dabei

Ich empfinde es sehr verbindend, dass wir einzigartig alle mit unseren eigenen Kunstwerken da sind – handgemacht, begeistert.
Und wir haben viel geteilt: Krisen, Tod, Wind, Sturm.

Oase?

Wo gibt es das? Ein Ort, der entschleunigend wirkt auf unsere Seele. Augen und Herz offen für die Kreationen, Austausch mit den Handkunsthandwerken ...

Barbara Stern Textile Kreationen Seit ca. 36 Jahren dabei

Dieser Märit ist extrem kostbar...
Schöne Waren, Beziehungen und Begegnungen.
Bin auch im Deko-Team aktiv, um den Märit schön zu machen: Engagement für das Ganze!
Der Märit hat Ausstrahlung in der Stadt, aber auch weltweit: Menschen aus anderen Ländern sind sehr beeindruckt!

Theres Siffert Glaskunst Seit 33 Jahren dabei

Anfangs mit Karrli und 3 Bananenkisten im Mattelift hoch. 1,5 Std. aufstellen im Burri Märitstand und 60 Minuten wegräumen jeden Tag.
11 Tage, kein Sonntag und kein Abendverkauf. ... Und ein Riesennetz von lieben Helferfrauen, damit ich ab und zu mit den kleinen Kindern zusammen mittagessen konnte.

Meine Mutter und Mütter vom Kindergarten und Schulgspändli auch im Einsatz!

Wenk Monika Hüte und Textiles Von Anfang an als Springer
Seit 1999 fix – 24 Jahre

Ich liebe es, kreativ zu sein, und die Ideen nehmen kein Ende. Der Märit ist für mich wie eine Bühne. Man werkelt, tüftelt und probt in seinem Atelier, bis es so weit ist, auf die Bühne (Märit) zu gehen. Man ist gespannt auf die Reaktionen vom Publikum. Wenn man verkauft oder Komplimente bekommt, ist das der Applaus für mein Schaffen. 2001 wurde ich auf dem Märit zweimal beschenkt: Am 15.12.01 mit einem wunderbaren Grosskind Julian. Und: ich bin meiner grossen Liebe - Martin Freiburghaus (Keramik) - begegnet. Wir sind verheiratet, arbeiten und ergänzen uns wunderbar. Was will man mehr?

Oase?

Dieser kleine tolle Weihnachtsmarkt ist immer wie eine Oase und mit viel Liebe dekoriert. Danke an alle. Es sieht wundervoll aus.
Ich fühle mich wohl in meinem Häuschen und hoffe, dass ich noch einige Jahre dabei bin.

Christa Seiler Textilkunst Seit 2001 – 23 Jahre dabei

Das ganz Besondere unseres kleinen Marktes - in der Adventszeit, vor dem Berner Münster - ist die gewachsene Konsequenz: wirklich ausschliesslich im

eigenen Atelier hergestellte Unikate zu verkaufen, und möglichst selber vor Ort zu sein.
Es brauchte viel Engagement und zuweilen auch Mut, bis es so weit war!
Die Gründung eines Vereins mit strengen Statuten erweist sich als hilfreich, damit wir uns alle daran halten ...

So sind wir ein wenig ein Geheimtipp geworden und erhalten viel Anerkennung, auch von Menschen aus anderen Ländern.
Das Gemeinsame der Handwerkskünstler ist die Liebe und Sorgfalt für unseren Markt und – vor allem - füreinander.

Der Markt lebt in uns das ganze Jahr leise weiter: das gibt ein unaussprechliches tiefes und geheimnisvolles Fundament.

Gabriela Hollenstein Keramikwerkstatt Über 20 Jahre dabei

Eine schaffige Zeit sind die Wochen des Weihnachtsmarktes. In meinen Anfängen kam und ging ich ohne mich gross mit dem Drumherum zu befassen. Das war einfach meine Keramik zu verkaufen.
Seit ich aber Ämtlis übernommen habe und nun auch im Vorstand mit organisiere, begleitet mich der Markt das ganze Jahr.

Mit den guten Feen des Dekor-Teams gestalte ich den Markt und investiere doch recht viel Zeit dafür, damit alles klappt und so ist wie er ist ...
Klein, fein, überschaubar mit guten Seelen und einer guten Stimmung.
Es braucht alle dafür! Danke.

Oase?

Unser Markt ist die Oase in all den grauen Altstadthäusern und dem Münsterportal. Wir sind bunt und doch nicht schrill. Wir schauen gemeinsam zu dieser Oase, sowie wir auch zu der Oase Welt schauen müssen. Wir haben nur eine.

Isabel Wälti und Simone Töpferei am See (Eichenberger Daniel)

Über 20 Jahre dabei ...

Schöne Erlebnisse: verschiedene Handwerke kennen lernen und die Leute, die dahinter stehen. Sich austauschen, ‘philosophieren’.
Je länger je mehr Habe ich das Gefühl, dass wir auf diesem Markt gut harmonieren und gut miteinander umgehen.

Ich glaube das Konzept, alles selbst gemacht, ist schweizweit einzigartig.

Oase?

Ein Ort zum Austauschen, sich erholen, einkaufen, handeln, sich stärken (essen, trinken): hat viele Parallelen zu unserem Markt.

Tonia Schmid Keramik Seit 2008 – 15 Jahre schon!

Was bedeutet Dir/Euch dieser Märit? Dein schönstes Erlebnis ...

Viel! Für mich gibt es nicht ein schönstes Erlebnis, sondern viele: ein kurzes Austauschen mit KollegInnen oder Kundschaft, eine Begegnung, ein Blick – und einfach diese einzigartige Stimmung ... fein, zart, warm, herzlich.
Was auch speziell ist an unserem Märit, ist das gemeinsame Tragen der Organisation und Ablauf des Marktes (Komitee / ‘Helferjöbli’s’) und das dadurch entstehende Gefühl von Gemeinschaft – ein gemeinsames Werk!

Oase?

Unser Märit wie eine Oase – ein kleines HandwerkerInnendörfli, das einmal pro Jahr aufgebaut wird, sich zusammen findet. Ein Ort des Verweilens, Treffens, Austauschens, Ort des Seins.
Ein Ort wo Leben fliesst, gedeiht, wo Wege sich kreuzen.

Lichtoase.

Sonja Pfister Puppenmacherei 2002-2006 in Mixhaus, seit 2007 fix. 16 Jahre dabei.

Wunderbar diese Adventsoase mitten in Bern.
Die Heimfahrten mit Liliane Kreuter waren immer wunderbar. Sie fehlt mir immer noch ....

Rudolf Steinerschule Kerzen / Kerzenziehen Adrian von Allmen
Seit 2009
Der Kerzenstand der Rudolf Steiner Schule Bern Ittigen war im Jahr 2009 das erste Mal am Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz vor Ort.

Das gemütliche Eckhäuschen, welches zum eigenständigen Kerzenziehen sowie zum Erwerb von bereits gegossenen und gezogenen Bienenwachskerzen einlädt, wurde damals von einer Gruppe initiativer Eltern eigens zu diesem Zweck erbaut und dient der Schule als Raum für wertvolle Öffentlichkeitsarbeit.

Die ganze Stand-Organisation mit Aufbau, Betreuung und Abbau sowie mit Kerzenziehen- und giessen während dem Jahr ist eine von mehreren Möglichkeiten der Elternmitarbeit, wobei
der Reingewinn vollumfänglich in die Schul-Infrastruktur investiert wird.

Die schönsten Erlebnisse sind dabei die herzlichen Begegnungen sowie die glücklichen Gesichter von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ganz im Sinne des Jubiläums-Thema "Oase"
ist der Berner Münster Weihnachtsmarkt ein lebendiger Ort, wo die Seelen- Vegetation blüht und das Wasser des Lebens allen zur Verfügung steht.

Herzliche Grüsse
Adrian von Allmen für das Kerzenstand-OK

Patricia Müller Papiermacherin Seit 2012 Vollzeit dabei

Der Markt ist mein Anker im Jahreskalender. Ich geniesse die Zeit im Dezember mit den vielen Begegnungen mit alten Bekannten.

Das Schönste ist, wenn ich überrascht werde, so wie vor Jahren, als ich im Restaurant plötzlich meinen Bruder vor mir hatte.
Oder heute: ehemaliger Lehrer in der Schweizerschule in Peru, wo ich meine Kindheit verbracht habe.

Das gäbe manchmal ganze Bücher und Geschichten!

Oase?

Mit Oase verbinde ich Sonne und heiss – was dieses Jahr in der zweiten Woche gar nicht stimmte ..., aber eigentlich ist ja das nicht so gemeint.

David Aigroz Metall und Schwemmholz Seit 2012

Dreierlei (Pia, Chrigu, David) Märitkulturbeiz Seit 2013

Wahnsinn aber wahr!
Seit 2013 haben wir die Ehre, das Märitbeizli auf dem Münsterplatz zu betreiben.
Somit feiern wir heuer unser 10-jähriges Jubiläum!
Juhuuu!

Catherine Eigenmann Schmuckdesign 8 Jahre dabei

Der Weihnachtsmarkt bedeutet mir mittlerweile Weihnachten.
Er ist ein Treffpunkt geworden für meine Familie, Freunde und Bekannte. Der Markt wird so wie ein grosses Weihnachtsfest.

Auch der soziale Aspekt ist für mich wichtig.
Sich mit Menschen austauschen zu können, mit denen man sonst nicht in Kontakt komme, neue Bekanntschaften zu schliessen etc.

Marianne Schütz-Mettler tuchArt Seit 2017

Besondere Stimmung!
Als ich vor 40 Jahren das erste Mal auf diesen Markt kam, als Besucherin, dachte ich: es wäre schön, hier einmal einen Marktstand zu haben.
Lange blieb es ein Traum und vor sieben Jahre, als ich zum ersten Mal in einem Mixhaus eine Woche mieten konnte, war der Traum in Erfüllung gegangen.

Oase?

Für mich ist es eine besondere Oase: diese vielen Kunsthandwerker ..., und auch etwas Besonderes, ein Teil davon zu sein.

Marianne Wolleb creativ-weben Seit 2018

Ich finde den Markt toll, da es ein Markt für’s Handwerk ist. Das wird von vielen Besuchern geschätzt.

Für mich ist es immer wieder schön, wenn die Kinder sich für das Handweben interessieren und staunen, dass mit einem so kleinen Webstuhl so schöne Muster gewoben werden können.
Ich hoffe, der Markt kann noch lange durchgeführt werden.

Vielen Dank an den Vorstand und die Helfer für das Engagement.

Oase?

‘Gibt es doch auch in unseren Wüsten Oasen, in denen die Wildnis blüht.’ (Zitat von Ernst Jünger)

Sonja Bieri Keramikerin Seit 2022

- Menschen aus der ganzen Welt (heute USA), die Interesse und Freude am Handwerk haben ...

  • - Wichtige Verkaufsplattform und Einnahmequelle ...
  • - Bereichernder Austausch mit Kunden und Kollegen ...
  • - Herzerwärmende Begegnungen mit Kunden und Kollegen: diese herzliche

    und anregende Atmosphäre untereinander schätze ich besonders!

    Elisabeth Schenk (Mixhaus) Verfaltungen Seit 2021

    Ich bin nun das dritte Mal dabei und geniesse die friedliche Stimmung, die bunte Mischung der Besucher und den Austausch.
    Es ist ein übersichtlicher Weihnachtsmarkt mit einem bunten Strauss an schönem ideenreichem Handwerk.

    Grösse stimmt.

    Oase?

    Ich fühle mich wohl im Mixhäuschen, das ist für mich ‘Oase’. Wie weit die Besucher das Thema realisieren, weiss ich nicht.
    Wünsche dem ganzen Team weiterhin viel Freude, Ausdauer und ‘eifach ä länge Schnuuf’!

    Silvio Müller (Mixhaus) (i.V. Monika) Holzartikel Seit 2021

    Tolle Begegnungen und die Freude über den Kauf deiner Kreationen spüren zu dürfen, und im drauffolgenden Jahr die Kunden und ihre Freude nochmals zu erleben.
    Diskussionen lösen gegenseitige ‘Holzbegeisterung’ aus.

    Die Menschen sind so vielseitig und bunt wie das Holz.

    Oase?

    Jede Wüste hat Oasen.
    Der Berner Münster Weihnachtsmarkt hat seine Oasen im Handwerk. Es lebe die Kunst!

Nadine Blum (Mixhaus) enidan’s art Keramik 2023

... In eine neue Welt eintauchen und schnuppern ...
Jeden Tag durfte ich spannende Menschen und einen kleinen Teil ihrer Lebensgeschichte kennen lernen. So wurde diese auch teil meiner Geschichte ...

Oase?

... ein Ort der Sehnsüchte ...

Mirta und Manfred Kreis (Mixhaus) Herzmacherin / Kreiselmacher 2023

5-jähriger Wunsch: wenn ein Weihnachtswunsch, dann dieser! Per Zufall sind wir hier – voller Freude!







Blog vom 20. Dez. 2022 (von Christa Seiler)

Zaungäste

Der Weihnachtsmarkt 2022 ist nun bereits bald wieder Geschichte.

Jedes Jahr berührt es, dass so viel Stammkundinnen und -kunden ‘nachschauen’ kommen, wie es uns geht, ob wir zwäg sind, und was wir wieder Kreatives gezaubert haben …

Und wenn neue Besucher – auch Touristen – ‘aufgeklärt’ werden, was es mit diesem Märit und der Handwerkskunst so auf sich hat, dann staunen sie zumeist.

Das ist schon eine kleine wunderbare – auch sich wandelnde - Gemeinschaft, die sich jeden Dezember vor dem Münster einfindet!

Und der Vorstand und das Deko-Team: würdigen wir, was sie für dieses wundervolle Märit-Bijoux in der Berner Altstadt tun und diesen Münsterplatz? Ihre Arbeit strahlt grosse Sorgfalt und auch eine nicht benennbare feinsinnige ‘Leisheit’ aus …

Dankedanke.

Für diesmal sollen noch weitere Gäste gewürdigt werden!

Zaungäste nämlich!

Zaungäste sind doch normalerweise solche, die zwar draussen – ausserhalb eines Zauns - bleiben (müssen), aber am Geschehen doch ein wenig teilnehmen (können).

Bei uns sind diese Gäste weder drinnen noch draussen, sondern DRAUF! Auf dem Zaun, dem Grünhag, den Lightboxen. Sie sind gefiedert und sehen zuweilen – je nach Kälte – chli aufgeplustert aus!

Entzückende Kügelchen eben!

Was haben die Kinder jeweils für ein Fest, wenn sie sich hopsend nähern, und die Kerlchen da oben trotzdem ganz unaufgeregt sitzen bleiben und ruhig herunter-äugen. Dann aber kann es ja auch wieder sein, wie auf Kommando, dass sie sich die nächsten Zweige auswählen und ausschwärmen, um dann wieder mit den kleinen Äuglein dem Treiben zuzuschauen.

Ich schaffte es nicht, ein Gruppenfoto zu schiessen. Dafür etwas anderes!

Da flogen die beiden doch exakt oben auf die ‘Baumstämmchen’ in der Leitbox (Sujet von Gabriela Hollenstein), und platzierten sich wie kleine wunderbare Wächter über unserem Märitgeschehen …

Hat auch etwas sehr friedvolles!

Frohe Weihnachten!

Berner Münster Weihnachtsmarkt IMG 5643

Blog vom 30. November 2022

Auf der Einladungskarte zum diesjährigen Weihnachtsmärit auf dem Münsterplatz steht für das Thema 2022 – eingerahmt – ein kleines ‚harmloses‘ Wörtli: FRIEDVOLL.

Der Märit hat noch nicht begonnen, noch stehen an diesem Mittwoch nicht alle Häuschen.

Es gibt alle Hände voll zu tun mit den Vorbereitungen …

Aber ein kleines Wörtli leuchtet aufs Mal leise und gross auf und möchte gewürdigt werden: zum BEGINN des Märit. Wie eine Präambel. Wie ein Vorzeichen. Wie eine zarte Geste füreinander …

Und auch ein wenig für die Welt, der dies derzeit sehr sehr not tut.

Friedvoll. Friedvoll? Wie soll man damit umgehen an einem Markt? Kann man dafür sichtbare Zeichen oder Symbole setzen, irgendwas gestalten, das etwas davon sichtbar zu machen vermag?

Was auf der Einladungskarte nicht steht, das ist das das ‚Farbkonzept‘, das wir uns jedes Jahr neu geben, und die Dekoration danach ausrichten, zum Beispiel an den Eingangsbögen.

Für dieses Jahr: weiss und gold.

‚Weiss‘ und ‚friedvoll‘ …

Wie leis-leise und rein das – beides - ‚daherkommt‘! Kann eigentlich nur ganz zuinnerst in jeder einzelnen Menschenseele geboren werden, und von da aus vielleicht eine Dehnung erfahren: über den Einzelnen hinaus.

Die grosse Weltgeschichte fängt in den einzelnen Menschenseelen an.

Äussere Zeichen oder Symbole – wie eine Taube, eine Friedensfahne, eine stille weisse Schneedecke, ein Kerzenlicht – können daran erinnern, dass der WIRKLICHE Ausgangspunkt für Frieden in der Welt nur von einer wahrhaftigen friedvollen inneren ‚Verfassung‘ eines jedes Einzelnen von uns ausgehen kann.

Mag man noch so sehr verzweifeln an der Lage der Welt, mag man noch so sehr Forderungen stellen an die Politik, an die Gesellschaft: wir wissen wohl noch viel zu wenig über die andere Kraft, die von jedem zuversichtlichen, friedvoll gestimmten Menschen ausströmt und über seine Grenzen hinweg wirksam werden kann …

In diesem Sinne: eine friedvolle Adventszeit!

Christa Seiler

Blog, 8. Dezember 2021

Blog, 8. Dezember 2021.

Das Mögliche tun, das Unmögliche versuchen, das Unzulängliche akzeptieren …‘. Wir vom Münster Weihnachtsmärit sind also trotz vieler Beinahe-Unmöglichkeiten wieder hier! Das Unmögliche zum Möglichen umgestalten: mit Zuversicht, Herzblut, Vertrauen, Kreativität. Wie gut, ist unser Markt klein und fein, sind bewusste und sorgfältige Menschen in und vor den Märithäuschen unterwegs. Die Stimmung auf dem Märit ist sehr friedlich. Die Besucher sind glücklich, dass wir hier sind. Unser neu gebautes Beizli hat ein ‚Gärtli‘ bekommen: Abgrenzung war eine Auflage, und jetzt ist daraus eine kleine poetische Enklave geworden! Letztes Jahr hat uns Pia Hess, die von Anfang an dabei war, verlassen; und jetzt ist auch Alf Raab nach 22 Jahren zum letzten Mal mit dabei… Sachte Wandlungen also! Und neue KunsthandwerkerInnen leben sich ein!

Unser Dank gilt all jenen, vor allem den unermüdlichen Vorstandsmitgliedern, die das ganze Jahr über die Fäden zusammengehalten haben, damit der Märit trotz erschwerter Umstände stattfinden kann.

Allen eine gute Adventszeit, und bliibet gsund und zuversichtlich!

Christa Seiler

Stille Zeit, heilige Zeit …?

Unser kleiner Markt ist noch kleiner geworden: einige der Kollegen (zu denen unsere Gedanken gehen) haben sich wegen Corona abgemeldet; und auch das Beizli steht dieses Jahr nicht an seinem gewohnten Platz.

Das konnten wir früh im Jahr - als wir das beschlossen - nicht wissen, dass unser Märitthema ‘LICHTUNG’ seinen ganzen Sinn unerwartet so konkret erfüllen würde.

Nun ist der Münsterplatz wirklich zu einer poetischen Lichtung geworden. Mit Baumgruppen, Tieren, Lichterketten, - und Menschen, die sich einander behutsam ‘nähern’, sich zulächeln mit Augenblinzeln über dem Stückchen Stoff, Sorge zueinander tragen: die Märitleute, meine Kolleginnen und Kollegen insbesondere; und auch die Besucher würdigen mit warmen Worten: ‘Wie schön, dass Ihr trotzdem hier seid!’, hören wir wohl jeden Tag mehrmals. Die Freude der Menschen darüber, dass nicht ganz alles stillsteht, ist berührend!

Auch die Polizisten, die täglich mehrmals eine Runde drehen, scheinen diese kleine Oase ein wenig ‘zu geniessen’ …

Ein grosses Dankeschön soll ausgesprochen werden für das monatelange unermüdliche Ringen unserer Vorstandsmitglieder um die bestmögliche Lösung für unseren Markt; und die Dekogruppe hat unseren Platz regelrecht in eine lichtvolle LICHTUNG verwandelt. Die Kinder geniessen, dass es nun mehr Platz gibt, mit ihren entstehenden Kerzen (Kerzenziehen) hintereinander herzurennen oder behutsam um die Bäumchen zu wandeln …

Lichtung: das könnte auch zu einem Symbol für das Herz und für die Seele werden: zuversichtlich, hell, aufgelichtet bleiben ...! Das ist vielleicht die intensivste Gesundheitsförderung …

Wir freuen uns auf die Begegnungen und wünschen eine leise Adventszeit!

Christa Seiler

Sein und Schein

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Sonja: Zuerst konnte ich mir nichts vorstellen. Aber jetzt …: Unsere Stühle mit den Pflanzen; der Schein von Kerzen: ‘Es isch so b’reicht.’

Szuszanna: Ich bin! Was ich mache, kommt zur Erscheinung. Wenn jemand nicht versteht, was mit dem Thema gemeint ist, kann man hier ins Kaleidoskop schauen!

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Marie-Belle vom Caramelier-Stand: Die Kinder kommen, schauen und strahlen: sind!

Bei den Erwachsenen dasselbe: sie strahlen nach dem probieren eines Nidletäfelis.

Adam: Sehr Schönes ist ein Anhaltspunkt: schauen, reflektieren. Sein und Schein sind miteinander verbunden!

Tinu: Kein einfaches Therma! Kann man doppelt verstehen. Wir sind ja! Wenn du etwas durch Jahrzehnte durchziehst, musst du sein!

Dora, Spaziergängerin, ehemalige Teilnehmerin unseres Marktes: Sein und Schein: das ist unsere Zeit!

Baerni: Unser Markt scheint immer noch sehr attraktiv zu sein!

Tonia: Ich meine es genau so, wie ich es geschrieben habe (aussen am Häuschen angepinnt): SEIN und schein’. Unser Wesen ist das Sein. Mein Ziel ist, das Sein zum scheinen zu bringen.

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David vom Kerzenstand: Mir fällt nichts ein. Es ist ja soooo klar, du musst dich nur umsehen!

Beatrice: Wir sind hier, im Schein der Kerzen, im Schein unserer Werke ….

Claudia: Aus meinem eigenen Leben: manchmal meine ich, es ist, und dann merke ich: es scheint nur, so zu sein … Je nach Blickwinkel ist das Sein unterschiedlich!

David: Schein anstatt Sein ist die perfekte Umschreibung für Heuchelei.

Therese: ich habe kleine Objekte gemacht, aus Spiegeln. Je nachdem man sie anordnet, ver-mehrfacht sich der Schein

19.Dez.2019


Die Zeit am Markt - und frühmorgens und spätabends in den Ateliers -, verfliegt.

Jetzt ist bereits der 19. Dezember. Einmal mehr bei beinahe frühlingshaften Temperaturen …

Sein und Schein!

Es sei eines der nachhaltigsten Themen, die wir uns gegeben hätten in den letzten Jahren, meinte Steff, unser Präsident. Warum? Weil es einen den ganzen Markt über begleitet, mit Gedanken, Fragen.

Überall hängen inzwischen Hinweise oder Zitate oder Geschichten bei uns, oder sind angepinnt an Häuschen-wänden. Bei diesem Wetter flanieren auch die Besucher langsamer und gemütlicher als bei eisigem Wind oder Schneetreiben, und manche bleiben stehen und lesen dies oder das, lächeln ein wenig, schmunzeln, und ganz selten wird eine diesbezügliche Frage gestellt, was das denn soll?

Sind scho chli schräge Vögel, diese Handwerkskünstler vom Berner Münster Weihnachtsmarkt! Als ob die nicht schon genug zu tun hätten mit Herz und vor allem mit Hand …

Aber, Hand aufs Herz: was er-scheint, durch Handarbeit, zeugt eben vom Innern, vom Ringen eines Wesens. Deswegen ist dieses Thema so nachhaltig, weil es genau dieses noch deutlicher ins Bewusstsein hebt. Und beglückt, weil man vielleicht noch ein klein wenig mehr von seiner eigenen unbekannteren Seite erfährt, und den geheimnisvollen Zusammenhängen der sichtbaren mit der unsichtbaren Welt.

Auch ich machte mehrere Spaziergänge. Ich wollte meine Kolleginnen und Kollegen befragen zum Thema, - und was ich erfuhr, berührte! Zeugt von dem, was man so vordergründig nicht mitbekommt. Aber wenn du einem Menschen eine Frage stellst, glänzt fast immer mit einem Mal grosser innerer Reichtum auf! Das ist für mich Weihnachten … Nochmals ein ganz anderer Glanz. Mensch-Sein eben.

Gabriela vom Deko-Team: wir sind klein und fein, möchten die Menschen zum Verweilen – SEIN – einladen. Unser Markt ist eher leise, nicht blinkend, nicht schrill. Da sind unsere Stühle, bewachsen mit Pflanzen: man zeigt etwas, das scheint … Der ursprüngliche Zweck vom Stuhl …?!



Zum Thema -Sein und Schein-

Berner Münster Weihnachtsmarkt Seinundschein2 19 1

2 Dezember 2019

Im Januar 2018 schrieb ich im Nachklang auf den Markt in einem Blog: ‚Wir, die Handwerks-Künstler vom Berner Münster Weihnachtsmarkt tun gut daran, auch ein wenig über unseren ‚Tellerrand‘ hinaus zu schauen, um im Bewusstsein und im Herzen mitzutragen, was in der Welt an grossen Bemühungen zum Erhalt des menschlichen Handwerks lebt.‘ …

Jetzt haben wir für dieses Jahr - vor zwei Tagen - unsere Tore geöffnet. Immer wieder zum staunen, was da die Kolleginnen und Kollegen gezaubert haben: für den eigenen Stand, aber auch für unseren Markt als Gesamt-Kunstwerk!

Eben. Und davon will ich heute ein wenig schreiben:

Vom ‚Hinausschauen über unseren Tellerrand‘! Denn wir haben uns diesmal ein Thema gegeben, das uns nicht in Ruhe lässt beim hand-werken, bei dem, was dann in Er-Schein-ung tritt. Das Thema heisst: Sein und Schein. Das ist doch eher philosophisch, zum nachdenken und für geistige Exkurse herrlich, ABER …!

Schon im Vorfeld machte es unruhig – im besten Sinne, denn: wie kann man dazu etwas gestalten, in die Sichtbarkeit bringen? Fällt dir etwas dazu ein? Kann man etwas ‚umsetzen‘? (Den Begriff ‚umsetzen‘ habe ich noch nie geliebt! Zur ‚Erscheinung bringen‘ trifft es viel eher!)

Zunächst also kein Schimmer ….! Aber ein Kribbeln und Wuseln tief im Innern …

Aha: Schimmer, Schein, Erscheinung. Was erlebe ich eigentlich, wenn ich keinen Schimmer habe? Irgendwas kündet sich da doch in mir. SEIN etwa?

Was ist mit dem SEIN? Und was hat das alles mit dem Tellerrand zu tun?

Dann stehst du aufs Mal staunend vor dem, was Denker seit Jahrhunderten bewegt! Und – schwups – dich genauso! Und dann gehst du trotz vieler Ideen und ‚noch-nicht-Erledigtem‘ nicht ins Atelier, sondern in dich! Gehst in deine Bibliothek, stöberst bei deinen geliebten Denkern – angefangen bei Aristoteles, Platon und landest bei Hannah Arendt, Rudolf Steiner, Edith Stein. Weil dich was gepackt hat und dich nicht mehr loslässt und stärker und ewiger und nachhhaltiger und umfassender ist als die Aussenseite, als das, was in Er-scheinung tritt.

Und plötzlich wird dir bewusst: alles, was du und die andern gestalten – sei es für den Weihnachtsmärit, sei es für den Strassenbau, sei es für den Umweltschutz: alles, alles, was sichtbar, hörbar, wahrnehmbar ist, ist SCHEIN, tritt in die Er-SCHEINung. Zuvor war es SEIN: Idee, Gedanke, inneres Bewegen, der zündende Funke, das Feu Sacré in deinem Herzen, das nie verlischt und ständig neues Er-SCHEINen hervorlocken kann … Kann!

An der Ecke auf unserem Weihnachtsmarkt, wo auch ich meine Tage verbringe, hat das Thema SEIN und SCHEIN bereits eine herrliche Dynamik ausgelöst, nachdem ich verkündete, dass an meinem Stand jeden Tag ein neues Zitat von einem Denker, einer Philosophin etc. aufgehängt wird. Alf, der Goldschmied von gegenüber, hat es gestern auf den Punkt gebracht: Er kam am 1. Advent mit einem Blatt Papier an, auf dem stand: ‚Sein ist wie Schein – nur krasser!‘ Sein in Farbe rot geschrieben, Schein in Farbe blau … Eingeschweisst in Folie, und ich bat ihn, das an der Seitenwand seines Hüüslis aufzuhängen. Hat er gemacht!

Und Therese, die Glaskünstlerin, erzählte, wie sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Und dann auf das Arbeiten mit Spiegeln kam …!

Das also ist erst der winzige Anfang einer vermutlich ziemlich dynamischen Entwicklung – in der Spannung zwischen Sein und Schein - während unserer Märitzeit. Ich werde versuchen, meine Kolleginnen und Kollegen zum Thema herauszufordern und zu befragen. Das kann dann hier gelesen werden!

Gute Vorweihnachtszeit, mit viel Feu sacré; und dass einiges davon in ErSCHEINung treten möge!

Christa Seiler

Sternstunde


Seit 35 Jahren kann man auf dem Münsterplatz in Bern in der Adventszeit den eher kleinen, feinen Markt mit authentischer, individueller Handwerkskunst besuchen.

Die Ateliers befinden sich alle in der näheren Umgebung von Bern. Einmalig ist auch: die Künstler und Kunsthandwerker sind zum grössten Teil selber vor Ort, bereit für Begegnung auf Augenhöhe, oder - für Sternstunden, mit dir, und dir, und dir ....

'Sternstunde': das ist das diesjährige Thema des Münster Weihnachtsmarktes.Ein behutsames Herantasten an dieses Thema kann zu einer poetischen, einer philosophischen, allenfalls zu einer astronomischen oder kosmologischen Fragestellung führen. Und niemand braucht sie definitiv zu beantworten!

Die Gestirne sind ja immer, bei Tag und bei Nacht, über uns! Jede und jeder kann sein Herz befragen, was für sie/ihn Sternstunde bedeuten könnte! Uhrzeiten und Zeiträume spielen dabei keine Rolle! Es geht nur um eine innere Verfasstheit, eine Stimmung, ein Erleben: es kann sein, dass ein winzig-kleiner Augen-Blick eine Sternstunde sei, ein Spaziergang, oder ein Nachmittag, oder eine besinnliche Woche an einem stillen Ort, oder ein ganzes Jahr, oder ...

Auf unserem diesjährigen Märit wird eine 'Sternstunde' jeweils einen Tag erfüllen, also: 24 Sternstunden-Märittage, jeweils an einem anderen Stand, geheimnisvoll, überraschend, witzig, herrlich, vielleicht gar 'himmlisch' ...

Auf unserer Webseite finden Sie alle wichtigen Angaben zu den KunsthandwerkerInnen und deren Ateliers, zu den Märitständen und zum Märitbeizli. Ausserdem gibt es dort facettenreiche Einblicke in frühere Themen der Weihnachtsmärkte sowie in die Blogs der vergangenen Jahre.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen lichtvolle, leis-leuchtende Sternstunden!

Vorgestern...

Vorgestern, um Mitternacht, grosses Glockengeläut.

Wieder ein Jahr vorüber, und: wieder ein Jahr begonnen …
Wieder ein Weihnachtsmarkt dem ‚Gewesenen‘ anvertraut; dort, vor dem ehrwürdigen Berner Münster.
Ich habe grosse Augen gemacht, als die Arbeiter, die mein Weihnachtshäuschen abgebaut und hierher transportiert haben, um die Bestandteile für ein weiteres Jahr im Keller zu verstauen, sagten: ‚Wir waren dann auch noch im Münster!‘ Mit leuchtenden Augen …

Jedes Jahr haben wir dort Gastrecht. Würdigen wir dies auch genug?
Das eine ist, dass wir der Gewerbepolizei für die Laufmeter ‚Boden‘ bezahlen; dass wir während dem Markt keinen Sound dulden, dass wir diese vorweihnächtliche Stille lieben, die uns die Möglichkeit gibt, mit den Menschen auch im Gespräch zu verweilen. Dass wir versuchen, Rücksicht auf Kirchgänger und Konzertbesucher zu nehmen.
Das andere, dass die Glocken erklingen. So dass du halt jedes Mal ein wenig grösser und ehrfürchtiger wirst …

Ja, das mit den Glocken!
Gestern sah ich den Film ‚Eine Glocke für die Ewigkeit‘. Grosse, grösste Handwerkskunst! Es ist ein Film über den Bau der grössten freischwingenden Glocke der Welt, in der Innsbrucker Glockengiesserei Grassmayr (Familienbetrieb seit 1599) für die rumänisch-orthodoxe Kathedrale in Bukarest. 25 Tonnen schwer. Sehr zu empfehlen!

Wir, die Handwerks-Künstler vom Berner Münster Weihnachtsmarkt tun gut daran, auch ein wenig über unseren ‚Tellerrand‘ hinaus zu schauen, um im Bewusstsein und im Herzen mitzutragen, was in der Welt an grossen Bemühungen zum Erhalt des menschlichen Handwerks lebt. – Unter anderem sei nach wir vor auch ‚www.Worls Crafts‘ empfohlen; Philippe Kuntze, ein Berner Freund, ist ständig mit diesem grossen Anliegen – weltweit – unterwegs! Und: er bewegt viel!

Ein gutes, tief-klangvolles 2018

wünscht
Christa Seiler

Warum haben Engel keine Haare ?

Gestern. Sonntag. Viel Geschäftigkeit am Markt, schöne Begegnungen. Sogar das Wetter, das sich in der vergangenen Woche auch von der stürmischen und nassen Seite gezeigt hatte, lässt Flanieren zu …

Wir Erwachsenen waren am plaudern.
Das Mädchen, das zwischen uns stand, wurde nicht so beachtet. Keiner konnte wissen, was in ihm vorging.

Und dann stand für einen Moment die Zeit still. – - –

Alle verstummten ob seiner Frage an mich hinterm Ladentisch. Mit grossen Augen fragte es: warum haben die Engel keine Haare?

Engel? Ach ja: zuweilen versuche ich es mit Geflügelten, aus Stoff oder anderen Materialien, stets ein wenig verschämt, denn ich weiss natürlich: darstellen kann man sie nicht, die geflügelten, übersinnlichen Wesen, obschon das über Jahrhunderte hin in allen möglichen Kunst-Sparten versucht worden ist …
Jetzt tanzen da also welche in meinem Markthäuschen an Fäden im Wind, aus feinstem durchsichtigem Stoff, mit angedeutetem Köpfchen und Flügeln. Keine Füsse, keine Beine, keine Augen, und – jo äbe -: keine Haare …

Warum haben deine Engel keine Haare?

Verdutzt schauen wir – die Erwachsenen – uns an und alles wird still. Ich ertappe mich, wie ich das Mädchen hinhalte, es anlächle, die Frage wiederhole, um Zeit zu gewinnen …
Und dann bin ich erlöst, dass mir doch noch etwas einfällt, wenn auch so hilflos, dass es mich heute morgen aus dem Schlaf geweckt hat.

Ich gestehe: das war eine völlig banale Antwort, so ganz diesseitig, pragmatisch, hilflos eben: ‚Mhm, es könnte sein, dass es dort, wo sie wohnen, keine Haarbürsten gibt … sie könnten sich ja gar nicht die Haare kämmen …‘

Ups! Alles andere am Markt wurde unwichtig. Und auch heute morgen bin ich mit mir unzufrieden. Verzeih mir, kleine Maus …!
Dein Engel sei mit dir!

Christa Seiler

Baumwunder

Wir sind also wieder da.
Das Jahr ist vorübergehuscht, und wie jedes Jahr kann man staunen, was da alles entstanden ist an Kreationen. Hand-Arbeit. Handwerkskunst!
Ehrlich: ich nicke dem Buschauffeur nach jeder Fahrt vom Trottoir aus zu, um leise zu danken … Handarbeit! Wie seltsam die Vorstellung, dass ich das eines Tages nicht mehr könnte: lächeln und danken, weil da keiner mehr wäre, der den Bus lenkt.
Also: Menschen für Menschen. Einsatz bis in die Fingerspitzen. Der Trend geht in eine andere Richtung …

Etwas von dem, was ich fast am meisten liebe an unserem Markt, sind die Tage des Aufbaus. So viel auch hörbare Emsigkeit! Sie sind alle wieder da, die Kollegen, die man fast ein Jahr – zwar nicht aus dem Bewusstsein – aber oft aus dem Auge, verloren hat. Da wird gesägt und gehämmert, zusammengebaut und aufs Dach gestiegen. Die Stimmung ist immer herrlich, egal was für Wetter; das habe ich schon als Kind geliebt, wenn in einem Nachbarhaus die Italiener auf den Gerüsten werkten und sangen.

Baustelle.
So eben ist es dann jeweils diese zwei Tage, wo so viel Emsigkeit und Vorfreude in den Aufbau und die Deko für unseren Markt gesteckt wird.

Die Deko: das ist grad der Impuls, den ich heute etwas verfolgen möchte. Viele wissen das ja wohl nicht: aber über das ganze Jahr wird dieser Markt in den Herzen getragen. Es sind eigentlich zwei Schwerpunkte – zumindest für die, die den Markt organisieren: das eine ist die Arbeit im eigenen Atelier, das andere ist immer der Blick und das Engagement für das Ganze. Dazu gehört auch die Frage nach dem Thema für die Gesamtdekoration. Dieses Jahr wurde aus – zunächst – ‚Wunderbaum‘: Baumwunder.

Baumwunder. Was das auf sich hat mit Weihnachten und dem Baum? Immerhin wird da eine Geburt gefeiert …
Also hat es etwas zu tun mit Leben. Vergängliches oder ewiges Leben sei dahingestellt. Wer weiss denn überhaupt, was das Wesen des Lebendigen ist?

Aber es war herrlich: Ich habe in den letzten Tagen kleine ‚Touren‘ unternommen, um einigen meiner Kollegen vom Märit eine Frage zu stellen: ‚Was fällt dir spontan ein, wenn du ‚Baumwunder ‚ hörst?‘ Die Antworten möchte ich Euch nicht vorenthalten (ich schreibe sie in der Reihenfolge auf, in der sie mir zukamen: es war grad wie eine wundersame Reise um die halbe Welt!) …:

Lebenskraft. Kraft über Jahrhunderte. Bestehendes. Krieg und Frieden überdauern. Ist ein Wunder! Ich muss nicht in eine Kirche … Staunen. Faszination. …

Da ist die Magie vom Wald, von den Bäumen. Feen, Elfen. Der Baum hört dir zu, du kannst ihm Sorgen und Nöte übergeben, er reinigt dich davon. Einen Baum umarmen ist wie eine Geliebte umarmen, er will nichts zurück …

Wenn ich einen Baum sehe, denke ich an individuelle Formen, Querschnitt von Holz, an Wurzeln, die tiefer sind als man denkt, an die Vögel und ihre Nester, Verbindung zwischen Himmel und Erde. Der Baum gibt Schatten. Und er hat einen grossen Platz in der Kunst, in Geschichten. Vieles in unserem Leben ist inspiriert und getragen von Bäumen: Stühle, Öpfel, Bire, Nuss. Und: Sterne hängen in den Ästen …

Ich denke an die uralten Bäume in der Wüste, eine Art Föhre, ca. 2000 Jahre alt …

Baum? Hat zu tun mit Heimat, Schutz, Vielfalt. Gibt ‚Schärmen‘ (ist noch etwas anderes als Schatten, oder !? Anm. CS) …

Lindenbaum, im Emmental, mit Bänkli drunter …

Hab grossen Respekt vor Baum, z.B. 800 Jahre alte Eiche. Die überleben uns! Lebewesen. Grosse Ausstrahlungskraft.
Gehe täglich mit den Hunden in den Wald, sehe zB. eine Buche, zweigeteilt, sie knarrt. Oder einen 200jährigen Wachholder, der den Boden verbirgt, einen alten Römerweg …

Ich sehe von meinem Standort am Märit einen schönen Baum, der auf der Plattform steht. Siehst du ihn? Mhm: wie schräg der da – von diesem Standort aus – hinter den Dächlein der Markthäuschen, entblättert, mit vielen Armen, zur Aare hinweist …

Der Baum ist das Wichtigste für uns Menschen! Sauerstoff! …

Der Baum des Lebens, das Wunder, dass Gott sich geoffenbart hat …

Wald. Staunen. Grad im Herbst, diese Farbenpracht! Und wie das riecht, nach Harz, nach Holz! Und wenn einer gefällt wurde, viel Sägemehl, in dem sich unser Hündchen wälzt, und das Rascheln, wenn es durch die Blätter rennt …
Und diese verschiedene Färbung; auch unterschiedliche Nadelbäume verfärben sich unterschiedlich. Lichtspiel. Und dann ist es da auch so weich zum gehen …

Bäume? So viel Wurzel wie Äste, Krone. So stabil! Bei uns Menschen ist es oft nicht so …

Danke, liebe Kollegen, für diese kleine Reise, mitten in unser Märit-Thema!

Und für unsere Besucher? Auf dem Münsterplatz, an unserem Märit lässt es sich eben nicht nur einkaufen! Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Und fast immer wird noch eine kleine ‚andere‘ Reise in ein bestimmtes Gebiet unseres Lebens unternommen …

Eine helle Adventszeit, und vielleicht auch eine kleine Möglichkeit, über eine kleine Frage nachzusinnen. Erstaunlich und beglückend, was dabei herauskommt!

Christa Seiler

Nachruf für Liliane

Hommage an einen wunderbaren Menschen
Nachruf für Liliane Kreuter, 31.1.57 – 16.1. 2017 Von Christa Seiler
Da war sie doch grad eben noch: mit wehendem Haar sie geht von einem Märithäuschen zum andern, schaut einen mit warmem Blick an, fragt: ‚Wie geht es dir auf dem Märit?‘, verweilt mit einer kleinen Geschichte, wandert zum nächsten Häuschen, nimmt Anteil, ist präsent für den ganzen, ihren geliebten Weihnachtsmärit, mit dem sie von Anfang an verbunden ist.
War … – Das mit dem ‚grade eben noch‘ stimmt, äusserlich real gesehen, auch nur halb: denn das war zum letzten Mal vor einem Jahr … Dann kam jetzt gegen den Winter hin die Nachricht von der Erkrankung; und entgegen ihrer ersten Empfindung, dass sie trotzdem bei uns sein wird, kam alles ganz anders.
Innerlich aber! Innerlich real gesehen wandert sie weiter von Häuschen zu Häuschen, stellt Fragen mit ihrer warmen, klingenden Stimme, ist nah.
Sie wandert nun woanders.
In der Todesanzeige steht: ‚Liliane hat ihre letzte Reise angetreten. Lassen wir sie weiterziehen auf dem Weg, der auf keiner Karte zu finden ist.‘
Seltsam: wie sie reist – mit offenem Herzen, warmem Blick, neugierig, manchmal auch kritisch, unerschrocken aussprechend, wenn etwas nicht in Ordnung ist, herausfordernd, verbindend, und immer dem Einzelnen und dem Ganzen zugetan – das kennen wir. So behalten wir sie dankbar in Erinnerung.
Ihre Kreativität und ihr grosses Engagement all die Jahre für unseren Markt wird uns über alle Zeiten begleiten, und davon wird immer ein leiser Schimmer bleiben, auch wenn wir vieles ganz anders machen werden.
Ein grosses stilles Dankeschön, liebe Liliane, – und eine friedvolle Reise!

Eindrücke passieren lassen

Einige Eindrücke vom Berner Münster Weihnachtsmarkt 2016 Revue passieren lassen …
Gut zwei Wochen nach Beendigung des Marktes ist es eine gute Zeit, ein wenig zurückzublicken – vor allem, wenn es draussen aussieht so wie heute: Schnee! Schnee!
Grad hab ich meine uralte Büsi-Dame – die schon mehrmals fast totgesagt wurde – in einem Video festgehalten: wie ein junges Kalb im Frühling spielte sie ‚Katz und Maus‘ mit dem Schnee im Gärtchen! Sich ducken, anpeilen, und dann rasant loslegen!
Ich erinnere mich, als wir uns vor vielen Jahren auf unserem Markt vor der Schneepracht kaum zu retten wussten: die tapferen Männer stiegen auf unsere Dächer und wischten – was gisch was häsch – weisse Pracht hinunter! Aber wohin bloss damit: neben und hinter den Häuschen war alles schon verstopft! Also in die Mitte der Passagen für die Besucher! Wälle, aus denen dann, wenn es uns ein wenig langweilig war, viele lustige – und natürlich kreative! – Schneemänner entstanden. Herrlich war es allemal!
Nun, im vergangenen Dezember war das Wetter ganz unspektakulär: regenfrei, schneefrei, oft nebelfrei – und sehr sehr sonnig. Wäre es nicht dennoch ab und zu ziemlich kalt gewesen, hätte man sich ganz woanders wähnen können.
Kinder.
Ich möchte mich diesmal im Rückblick ein wenig den Kindern auf unserem Markt zuwenden:
Da war zum einen die Ecke mit dem Stand zum Kerzenziehen, mit viel wunderbarem Leben und fröhlichem Kinderlachen. Am herrlichsten und komischsten fand ich, wenn Kinder mit den kleinen, schmalen ‚Sprossen‘ ihrer entstehenden Kerzen wild um unsere Häuschen rannten: oft schlenkerten sie die Dochte mit den ersten, noch warmen Umhüllungen im Laufschritt völlig bedenkenlos kreuz und quer durch die Luft. Die werdenden Kerzen glichen dann oft eher einer Berg- und Talfahrt … krumm, verbogen, verrenkt.
Da dachte ich mir: man könnte von den Knirpsen doch eigentlich Unerschrockenheit und Spontaneität wieder lernen!
Ein Geheimtipp waren auch unsere ‚Spuren im Schnee‘! Irgendwie fühlte sich das alles zwar etwas abstrakt an – wenn ich es mit dem heutigen Tag vergleiche …
Aber es hatte feine, kleine Zeichen und Bemühungen meiner Kolleginnen und Kollegen vom Markt, die zu unserem Märitthema etwas beitragen wollten: Fussspuren auf Tellern bei einer Töpferin; ein Memory aus Ton mit ‚Tätzli‘ – da wurde eifrig gespielt! -; gestickte und gedruckte Spuren auf Vlies, und notabene: eine ganze Wand, die zur Verfügung stand, um auf grossen Blättern Papier mit Stempeln Tierspuren zu hinterlassen. Das war für die Kinder ein Fest!
Dann gab es die kleinen feinen Gesten von Kinderhändchen, die zuweilen leise und etwas ‚verstohlen‘ über die Federchen streiften, die ich an meinem Häuschen angebracht hatte …
Und einmal wurden einige von uns Zeugen eines Gesprächs unter nicht mehr ganz kleinen Buben! Herrlich, sag ich Euch! Die standen zu dritt oder viert vor unseren Häuschen und unterhielten sich angeregt. Und plötzlich sah ich, wie mein Nachbar schmunzelte: da hatte doch einer von ihnen lauthals verkündet: ‚Ich stehle nicht gern!! Da schadet man doch anderen …!‘ – Aus dem wird bestimmt mal ein Pädagoge! Ich staunte, dass der mit so viel Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit die andern in seine – nicht unbedingt populäre – Meinung einweihte!
Den Kindern die Zukunft!
Wir freuen uns schon wieder auf den nächsten Märit! Und heute: eine Schneeballschlacht!
Christa Seiler

Einige Gedanken zur Handwerkskunst

Bei wundervollem Winterwetter – allerdings ohne Schnee – konnten wir uns auf dem Münsterplatz wieder mit unseren Häuschen und all den selber hergestellten ‚Schätzen’ einrichten.
Alle Jahre ist es wieder ein Thema, ob es zeitgemäss und innovativ sei, nur Unikate aus den eigenen Ateliers und Werkstätten anzubieten. Die meisten von uns sind davon – und zwar mit Herzblut – überzeugt! Andere finden, es sei nicht zeitgemäss …
Da kam doch das Interview ‚zur Eröffnung unseres Marktes’, am 3. Dezember, im Berner Bund (‚StellenMarkt’: ‚Handwerk hat auch im 21. Jahrhundert ein grosses Potenzial’) von Mathias Morgenthaler mit dem Berner Möbelhändler und Innenarchitekten Philipp Kuntze gerade zum richtigen Zeitpunkt, um das Bewusstsein dafür nochmals zu schärfen. Ich jedenfalls habe es mit grosser Freude und Begeisterung gelesen, denn dieses Thema ist wie ein zartes Pflänzchen, das sorgfältigst gehegt werden muss …
Bei uns spielt sich ja nun im Kleinstrahmen ab, wovon Herr Kuntze spricht: … ‚Auch im Innenausbau ist vieles uniform. … Viele Schreiner wissen heute kaum mehr, wie man ein Holz seift oder sonst natürlich behandelt, manche Architekten und Designer haben nur bescheidene Materialkenntnisse. So sterben weltweit zahlreiche Handwerksberufe aus, was kulturell ein riesiger Verlust ist und der Jugend Perspektiven raubt.’
Das Interview hat mich sehr angeregt! Unter anderem fragte ich mich, wann denn eigentlich im wirklichen Sinne ‚mehr Wert‘ (Mehrwert) entsteht? Ich weiss, dass das eine ganz persönliche und keineswegs eine ‚offizielle’ Auslegung ist – und dass das Thema bei Marx ziemlich komplex abgehandelt wird: aber für mich, als Kunsthandwerkerin, gibt es keinen Mehrwert, der nicht durch ein inniges Engagement im Sinne von ’Hand anlegen’ entsteht. Einkaufen und Wiederverkaufen darf ja natürlich auch sein, aber niemals an einem Markt wie dem unseren!
Es kann ja stur wirken, aber es sind filigranste Grenzen: wann denn beginnt ‚Hand anlegen‘? Und weitergedacht: was macht also unseren Weihnachtsmarkt im innersten Kern und in den äussersten Gestaltungen so einmalig?
Ich meine: dass in jedem einzelnen ‚Produkt‘ die ‚Liebe zum Kleinen‘ – und hineingeheimnisst also auch der oder die Schaffende – in Erscheinung tritt, sichtbar, auch mit den kleinen Unregelmässigkeiten, die vom Mensch-Sein zeugen …
Das mit dem ‚weltweiten Aussterben’ geht unter die Haut und ist für unsereins sofort nachvollziehbar. Auch Herr Kuntze wurde gefragt, ob nicht jeder ein Nostalgiker sei, der das Rad zurückzudrehen versuche?
Äbe! Auch uns wird das manchmal vorgeworfen. Was solls?
Wenn man ein wenig tiefer hineinschaut in diese Problematik, und eine Umsicht pflegt bis in die globalsten Wirkungen dieser zentralen und sensiblen Thematik, dann schreckt man auch nicht vor all den Feinheiten zurück, die diese Fragen aufwerfen – und einen also veranlassen, das alles in die sorg- und achtsame Hut der Menschen zu legen.
Aus Liebe zur Menschheit …
‚Die Produkte verändern sich, das ist normal, aber wenn wir nicht dafür sorgen, dass die Handwerkstradition fortgesetzt wird, steuern wir direkt auf eine Katastrophe zu (P. Kuntze).’
In diesem Sinne möchten wir weiterhin intensivst für dieses Thema sensibilisieren, denn oft erwacht man erst an den feinen, mit dem Alltagsbewusstsein kaum zu ergründenden Grenzen …
Eine leiswarme Adventszeit – Christa Seiler

SAMICHLAUS IM WINTERGARTEN

Samichlaus im Wintergarten
Es blüht in Grün-, Weiss- und Erdtönen, allerorten, auf dem Weihnachtsmarkt beim Münster. In Waschzubern und Spritzkannen, in jedem Märithäuschen, und auch im Beizli zeugen wunderbare Pflanzen, auch soiche, die am Aufblühen sind, von unserem Märitthema. Das Deko-Team und unser Gärtner haben den Münsterplatz in einen zauberhaften Garten gewandelt! Aber wie das mit unseren Märitthemen fast jedes Jahr ist: das Feinsinnige, eher Leise muss aufgespürt und von jedem einzelnen Besucher entdeckt werden. Zuweilen machen wir darauf aufmerksam, und dann beginnen die Augen zu leuchten…
Mitten in diesem Garten ist letzten Sonntag, am 6. Dezember natürlich, der Samichlaus aufgetaucht! Nein: ohne Eselein, dafür mit einem Leiterwägeli, auf dem eine geheimnisvolle, glänzende Truhe thronte. Ab und zu wurde sie geöffnet – und da kamen Leckereien zum Vorschein! Der Samichlaus, dunkelrot gewandet und mit einem sehr grossen lockig-weissen Bart und einer entsprechenden Haartracht (der muss von weit gekommen sein, und schon lange keine Schere mehr gesehen haben!) war unterwegs mit seinem Schmutzli. Letzterer sah schon ein wenig gfürchig aus – ganz eingepackt in ein braunes Gewand, und von einem Ge- sicht sah man vor lauter schwarzen Haar- und Bartlocken sozusagen nichts. Aber es war herrlich und auch lustig zu sehen und zu hören, wie eher die Erwachsenen von Angst oder so sprachen: ‚Als Kind hätte ich Angst vor dem!‘ … Nicht so unsere kleinen Zeitgenossen! Vergnügt scharten sie sich sofort um die beiden, sagten Verslein auf, hielten die Hände hin und waren so begeistert, dass die beiden Gesellen ihren Weg nur sehr schwerlich fortsetzen konnten, weil die Kinder sie nicht weiterliessen …
Einige von uns schmunzelten: da war etwas von einer neuen, unerschrockenen Generation zu spüren!
Unser Wintergarten blüht weiter. Der Samichlaus und sein Schmutzli, die sind wohl inzwischen bereits wieder unterwegs in den tief- tiefen Wald .

Mondsichel, Glockenton, Glühwein und Schmetterling

Ein kleiner Text zum Abschluss des Weihnachtsmarktes 2014

Dieser Text handelt von Zwischenräumen …
Manche Menschen sagen ja, man sollte zwischen den Zeilen lesen können. Stimmt: manchmal geschieht nebst dem vordergründig Wichtigen auch ganz Kleines, das kaum bemerkt wird. Beginnt man darauf zu achten, tut sich so etwas wie eine kleine (zweite) Welt voller Wunder kund.

So möchte ich hier nicht eigentlich von unserem Markt schreiben, davon kann man in der Homepage ja einiges erfahren. Ich möchte den Rück-Blick eher auf kleine Begebenheiten lenken, die dennoch engstens mit unserer wachen Präsenz am Markt verbunden sind, denn sonst können sie ja nicht bemerkt werden.

Also: der Winter-Weihnachtsmarkt war eher ein Frühlingswetter-Markt. Der Schnee stellte sich gleich beim Abbau der Holzhäuschen am Samstag ein, und seither wird die Welt – auch in der Stadt Bern – gleichsam weiss verzaubert.
Aber noch am 23. Dezember, gegen Abend, blieben die Menschen vor meinem Häuschen ungläubig stehen: ein Schmetterling machte einen Besuch und flatterte beängstigend in der Nähe der Lampen! Meine einzige Sorge war, dass er sich da verbrennen könnte – und so versuchte ich, ihn wieder ins Freie zu scheuchen, wohl wissend, dass sein Leben auch da nicht lange dauern würde.
Es war etwas seltsam-unwirklich Berührendes, ein kleiner himmlischer Flügelschlag, am Tag vor Heilig Abend: Bote einer andern Welt …

Ein anderer Bote in der Vorweihnachtszeit war die Glocke. Die grösste, die tiefste aller Glocken des Münsters. Ich weiss nicht, wer es jeweils hörte; und ich weiss auch nicht, ob es eine Ordnung hatte (ich jedenfalls fand keine: kein Viertelschlag oder so, auch längst nicht jeden Tag): einfach ab und zu, ganz unerwartet, wurde sie ein einziges Mal angeschlagen. Unfassbar, dieser weite und lang-anhaltende dunkle einzige Klang. Wer es gehört hat, weiss, was ich meine: es war wie ein Brückenschlag zwischen Himmel und Erde. Und jeder, der das vernimmt, wird für Augenblicke ein wenig ein anderer … Vergisst vielleicht, warum er eigentlich auf diesem Markt ist. Für einen Moment bist du nur noch Mensch – nicht Käufer oder Verkäufer; keiner, der einen Job macht oder seiner Leidenschaft frönt, nein, nur schlicht und einfach: Mensch.

Ach ja: und dann war da noch so eine kleine Verzauberung, die einem das doch auch Strenge und äusserst Intensive eines ganzen Monat Marktes vergessen liess. In der letzten Woche vor Weihnachten konnte man – falls man mal für kurze Zeit beim Einnachten den Marktplatz verliess und eine kleine Atempause auf der Plattform einlegte, die zauberhafte liegende Mondsichel sehen, die da am klaren Himmel schaukelte; wie eine leise, zarte Wiege …

Anderes war vordergründig präsenter: die Besucher, die Kollegen, die Menschenströme an Sonntagen, die sich vor den Häuschen vorbeischieben; die Begegnungen und feinen Gespräche an stilleren Tagen, das verkaufen-dürfen und dadurch für die Arbeit gewürdigt werden; die gute friedliche Stimmung auch zwischen uns Kunsthandwerkern, und die grosse Leistung unseres Märitbeizli-Teams. Zuweilen wurde es uns gegen Abend ein wenig zu laut durch all die Glühwein-Geniesser … Von Advent ist dann jeweils nicht mehr viel zu spüren.
Aber eben: wer es suchen wollte, fand es trotzdem in den kleinen geschenkten Zwischenräumen, von denen ich hier erzähle und die halfen, dennoch eine Stille – wenn auch nur für kleine Momente, aber wie ewige Zeichen – zu finden. Diese sind nachhaltiger: es flattert, klingt und wiegt noch immer nach …

Wir freuen uns wohl alle bereits auf unseren nächsten Markt!
Bis dahin: herzliche Grüsse und ein gesegnetes 2015!

Christa Seiler

30 Jahre Berner Münster Weihnachtsmarkt

Der Zauber einer Oase ist das Geheimnis der Einmaligkeit!
Dieser Satz stand im Magazin ‚Baern’ 2010 in einem Artikel von mir zu unserem Markt.

Der Satz gilt nach wie vor …

Der Zauber einer Oase …
Nun ja: wir fühlen uns privilegiert, vor dem ehrwürdigen Berner Münster für einen Monat beheimatet zu sein; eingesäumt von Tannengrün und Lichterketten; auch wenn wir uns noch etwas mehr zusammendrängen mussten in den letzten Jahren, damit die Feuerwehrautos auch wirklich Zugang zum Münster hätten, sollte da mal …
Die untere Altstadt scheint vom Trubel der Adventszeit weitgehend verschont zu bleiben, dafür ist Platz für wunderbare Begegnungen und leisere Gespräche.

Geheimnisvoll,
dass wir seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten – drei von uns sind von Anfang an jedes Jahr dabei! – immer wieder hingehen: voller Wärme, Begeisterung für’s Handwerken, voller Impulse für diesen unseren kleinen Markt, der – wie soll man es andres sagen – ein Kleinod ist, zu dem wir grösste Sorge tragen wollen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass in dieser ‚schnell-lebigen’ Welt professionelle Handwerkskunst ihren Platz, und ihre ‚Würdiger’ und Käufer findet …
Das ‚Mysterium der Begegnung’ mit den Besuchern steht deshalb bei vielen von uns im Vordergrund.
Geheimnisvoll auch, dass wir das ganze Jahr über unseren Markt in unseren Herzen tragen!

Einmaligkeit
Wie kann man von Einmaligkeit sprechen, wenn es doch schon dreissig Jahre sind …?
Das Geheimnis von Einmaligkeit liegt ausschliesslich im Bewusstsein der Menschen und ihrer Aufmerksamkeit, Authentizität und Aktualität zu entdecken. Keine Minute im Leben ist Wiederholung, sofern wir wach dafür sind – denn es ist immer Jetzt!

Trotz der vielen Jahre ist unser Markt einmalig, jetzt, lebendig.
Aber das braucht einen etwas anderen Blick: nicht nur auf das ‚Ding’, sondern auch auf den Urheber desselben: denn jeder einzelne Gegenstand – auch wenn er gleich oder ähnlich aussehen mag wie der vorherige – ist ganz konkret durch die Hände seines Schöpfers gegangen, der damit gerungen hat, wie er es denn nun anstellen soll, damit es schön, wertvoll, von hoher Qualität, authentisch ist …
Und wo in der Welt – Hand aufs Herz – kann man Kleinode kaufen, die nicht aus Zerstückelung und Einzelteilen in irgendwelchen Ländern entstanden sind, sondern von jenen Menschen hervorgebracht, die auch am Markt anzutreffen sind und für ihre Erzeugnisse zeugen.
Erzeugen heisst zeugen, heisst schöpfen, heisst Einmaliges hervorbringen.
Keine Anonymität einer Ware. Sondern menschliche Sorgfalt für jeden einzelnen Prozess, jedes Teil: Liebe zum Kleinen …

Von dieser ‚Liebe zum Kleinen’ und der Anregung zu einem adventlichen Innehalten noch ein kleines Müsterchen:
Das diesjährige Thema unseres Marktes ist Licht: Kerzenlicht …
In einem sehr alten ‚Du’ (Dezember 1947) – die wunderbaren schweizerische Monatsschrift, ua. mit sehr viel Kunstdrucken und berührenden Texten – fand ich einen Artikel ‚Vom Zauber der Kerzen’ (von Albert Bettex). Da steht unter anderem: ‚Halten Sie inne, lieber Leser, wenn Sie so im kleinen den uralten geheiligten Akt der Mehrung des Lichtes vollziehen, schauen Sie zu, wie da vor Ihren Augen ein wundersames stillles Geschehen sich abzuspielen beginnt. Dicht um den Dochtansatz herum schmelzt die Flammenwärme eine winzige kreisrunde Mulde ins Wachs, ebenmässig weitet sie sich aus bis an den Kerzenrand, und in ihrem Grunde sammelt sich das Geschmolzene und wird vom brennenden Docht aufgesogen und nährt das Geleuchte. Genau so viel Nahrung, als die Flamme verzehrt, nicht mehr und nicht weniger, schmelzt sie sich selber mit ihrer Wärme ….’

Solch kleine Beobachtungen sind es, die das Leben auch an den allerkleinsten Orten nähren, befruchten und von einmaligen Geheimnissen zeugen. Sofern man ein wenig still wird, hinblickt und hineinlauscht …

In diesem Sinne eine gute Adventszeit – Christa Seiler

Verspielter Weihnachtsmarkt

Was hat der Osterhase mit dem Berner Münster Weihnachtsmarkt zu tun? Nun: er erinnert zum einen daran, dass die Zeit dort vor dem Münster – wie die Adventszeit – ein Ende haben wird, dass irgendwann die Knospen spriessen und die Apfelblüten und Maiglöckchen sich ankünden werden und – eben – auch der Osterhase hinter einer Hecke hervorgüggseln wird: ziemlich genau in vier Monaten …
Zurzeit schläft er. In einem kleinen Bettli, gut eingepackt. Aber er spielt schon jetzt Verstecken. Diesmal nicht mit den Eiern, sondern mit sich selbst! Ja: er versteckt sich an einem Schlafplätzchen. Jede Woche woanders, an einem Marktstand. Wer ihn findet, kann das schriftlich vor Ort melden und bei einer Verlosung einen Gutschein von 30 Franken gewinnen, der am Markt eingelöst werden kann. Gut Suche! (Die Teilnahmebedingungen und den Anmeldetalons finden Sie an den meisten Ständen).
Auch eine andere feinsinnige Aktion belebt den Markt. Feinsinnig deswegen, weil da nichts plakativ, sondern leise und ein wenig verborgen ‚daherkommt’ – man muss die Orte aufsuchen! Zum diesjährigen Thema ‚Winterspiele’ gibt es kleine, vergnügliche ‚Zwischenräume’, neben oder in den Verkaufsständen. An fünfzehn Ständen kann also gespielt werden.
Im Märit-Kulturbeizli, Stand Nr. 1, gibt es eine Kugel mit Glückssäuli, die nach dem Schütteln der Kugel in einer bestimmten Position ‚landen’ sollten.
Bei Eva, am Stand Nr. 2, kann man Engelskarten ziehen, und sich einen sinnigen Text zu Herzen nehmen.
Beim Kerzenstand Nr. 3 – nun, da gibt es eine Überraschung …
Bei den Töpferinnen am Stand Nr. 4 sollte man hingehen, wenn der Zuckerpegel gesunken ist: da kann man nämlich vergnüglich Schneemänner fischen; und für jeden Geretteten innerhalb dreier Minuten winkt ein feines Schokolädli. (Wie die das schaffen dort, nebst dem Bedienen von Kunden noch die Sekunden zu zählen, damit auch niemand mogelt …!?)
In der Ecke ganz hinten, beim Stand Nr. 5 (Rudolf Steiner Schule) kann man knobeln. Ich gebe zu, dass ich das nicht geschafft hatte auf meinem kurzen Rundgang. Es braucht wohl ein wenig mehr Zeit und Geduld …
Beim Stand Nr. 6 kann man Pong-Ping-Pong spielen.
Bei Tonia und Steff (Stand Nr. 7) ist eine herrliche Kugelbahn in Betrieb! Die Kugeln nehmen einen ungewöhnlichen Lauf! Ausprobieren!
Bei Nr.9 und 10 ist Würfeln angesagt: Zimtsterne oder Ängeli .
Bei den Drechslern, Stand Nr. 11, gibt es eine richtige kunstvolle, selbstgebaute Kegelbahn! Auch dort müssen neun Schneemänner dranglauben (Schneemänner kegeln)!
Bei Therese, Stand Nr. 17, kann man in einem Spielkasten vor dem Märithäuschen mit Glasstücken Tangram legen.
Pia am Stand Nr. 22 verführt mit einer wunderschönen Anordnung auf einem Extra-Tischchen zum Duft-Ratespiel …
Am Stand Nr. 23 bei Claudia gibt es einen Kletterengel … Bei Tom (Nr. 25) ist Zwirbeln angesagt.
Am Stand Nr. 26 kann man eiskunstlaufende Grazien selber über das Eis führen (Patinage magique).
So, das wäre mal ein anderer Rundgang durch unseren Märit! Es lohnt sich übrigens, jedes Jahr den Spuren des im Sommer gefassten Märit-Themas nachzugehen. Es ist jedes Mal so etwas wie eine zweite Szene – nebst unserer Handwerkskunst -, und fast so etwas wie ein Geheimtipp …
Viel Vergnügen beim Spielen! Christa Seiler

Danke

Nun hat es zu guter Letzt der Wettergott – entgegen aller Prognosen – doch noch gut mit uns gemeint! Wir hatten von allem etwas während dieser drei Wochen: ein klein wenig Sonnenschein, ziemlich viel Regen, Nebelschwaden rund um den Münsterturm, eine kurze Zeit so viel Schnee, dass es ans Dächer-räumen ging, und – fast nie Sturm, wenn man einmal absieht vom Wirbelwind, der uns gestern auf dem ganzen Markt heimgesucht hat. Clown Rosa wirbelte um die Passanten und Kunsthandwerker herum, verteilte aus einem überdimensionalen Löffel Buchstabensuppe und machte mit Alt und Jung ihre Spässchen. Vielleicht war sie dem einen oder der anderen zu schrill, zu laut: ich aber beobachtete sie sehr genau und sah, wie sie hinguckte, sensibel wahrnahm, und dann ihr Liedchen oder ihre Kleinst-Aktion blitzschnell dem Gegenüber anpasste. Das ist Kunst: wahrnehmen, denken und dann handeln, in dieser Reihenfolge …
Morgen ist unser letzter Markttag. Nach Weihnachten geht es ans Aufräumen.

Er war wieder schön! Dankbar und voller Zuversicht – so hoffe ich – denken wir schon bald wieder an unseren nächsten Markt, der für uns alle so etwas wie ein sensibles Kleinod geworden ist, all die Jahre hindurch. Zu dem wir Sorge tragen wollen, und dem wir ein ganz eigenes Antlitz geben. Mit Herzblut …

Das OK-Team wird sich schon bald treffen, um auszuwerten und Ideen zu spinnen. Das Plenum, das heisst alle Teilnehmenden, werden sich auch mehrmals treffen, mal im Frühling, mal im Sommer und mal im Frühherbst. Es gibt immer viel zu bedenken.

Allen einen grossen Dank: jenen hinter den ‚Ladentischen’ und all jenen, die zu uns kamen, die durch Kaufen unsere Existenz und das Weiterkreieren ermöglichen, und all jenen, die uns einfach besuchten um uns zu grüssen, um vom vergangenen Jahr zu berichten, um für alles Weitere gute Wünsche mitzugeben. Manche sieht man eben nur dort, alle Jahre wieder, vor dem Münster.

Ein friedvolles Weihnachtsfest, einen guten herzhaften Start ins neue Jahr, intenive elf Monate, und dann, ab dem 30. November 2013: wieder dort auf dem Münsterplatz!

Bis dann, herzlich,
Christa Seiler

Besuch

Das war gestern. Es war wie im Film. In ‚Amour’, zum Beispiel. Sie hatten sich angekündigt: wir kommen am Dienstag! Sie kamen wirklich – es hatte den ganzen Tag geschüttet, als hätte Petrus nichts anderes zu tun gehabt – am Abend, bevor sie wie jedes Jahr zusammen essen gingen: die zwei Töchter – mit Ehemännern – und mit ihren wunderbaren alten Eltern, beide auf Stöcke gestützt, – aber das Leuchten in den Augen, diese Zuversicht, dieser unverbrüchliche Optimismus …! Für das Mütterchen hatte ich schon eine Sitzgelegenheit vorbereitet in meinem engen Häuschen. Der Vater blieb draussen im Regen stehen, gestützt auf seine Stöcke, und auf mein öfteres besorgtes Nachfragen, ob das geht, kam immer die gleiche Antwort: ja ja, ich habe ja Stützen! Einmal sagte er zu seiner Frau: kauf dir was Warmes! Und dann, während die andern sich umsahen und einkauften, sagte der Vater, er mache eine kleine Runde über den Markt. Später kam er zurück, nahm mich ein wenig beiseite, sah mich an und sagte leise: gell, du nimmst es mir nicht übel, ich habe beim Drechsler ein Käsbrett gekauft! Oh nein, sagte ich, weisst du, ich habe dort vor wenigen Tagen auch ein Brotbrett gekauft! Wo er es verstaut hatte, so ohne freie Hände, habe ich nicht rausgekriegt …
Es war, nach diesem verregneten Tag, ein wenig wie im Stall zu Bethlehem! Hell. Mit tausend Sternen. Für mich jedenfalls …

Begegnungen 2012

18. Dezember 2012

Das Schönste an unserem Markt sind die Begegnungen. Das ‚Mysterium der Begegnung’: ein Lieblingsbegriff von mir! Von Mensch zu Mensch. Kleine Gespräche. Erinnerungen zumal. Manchmal ein Wiedersehen nach vielen vielen Jahren.
Die Liebe zum Kleinen, die Sorgfalt der Gestaltung der Unikate, aber eben auch des ‚von Du zu Du’, direkt, Auge zu Auge, Berührung, ein Händedruck, ein Blick: Jo äbe: wie viel reicher ist unsere wirkliche Welt gegenüber einer virtuellen! Was für ein Schatz an Werten unser Markt uns allen bietet! Kleine Begebenheiten, die aber wahrgenommen werden müssen …

Plötzlich entdeckst du, dass jemand einen kleinen Engel an deinem Stand, ein Unikat an einem andern fotografiert, oder es stellt sich heraus, dass die Frau, die eben den Titel der Broschüre ‚Freiheit ist nicht liberté, Freiheit ist élan moral’ (Carl Oechslin) fotografierte, Journalistin ist und unbedingt irgendwann mit mir darüber sprechen möchte, wenn die Turbulenzen des Marktes vorüber sind, und ihr kleiner Sohn den Sturz auf dem Eis verwunden hat …
Freiheit: auch so ein Thema!

Und dann war da noch der kurze heitere Exkurs einiger Kolleginnen und Kolleginnen, so zwischendrin: als wir uns überlegten, ob wir nicht ‚zum Weltuntergang’ etwas Originelles beisteuern könnten! Eine Idee war: am 21., zu Marktbeginn, sitzen wir alle auf unseren Hüüslidächern, mit kleinen Flügeln, zum abheben wenn es so weit ist …; eine andere: Militärbisquits verteilen, als Notration, damit man nicht plötzlich anfängt, Ohrläppchen anzuknabbern. O je!
Wir alle sind am 21 vor Ort, und ftreuen uns auf Sie: ‚Aua: wir leben!!’ Wir alle, hüben oder drüben …!

Nächstes Jahr also. Es geht weiter! Auf unzähligen Ebenen.

Christa Seiler

Berner Münster Weihnachtsmarkt 2012

Verschneit und vom Winter verzaubert stehen die von Lichterketten umrankten Holzhäuschen des Berner Münster Weihnachtsmarktes in der Abgeschiedenheit der unteren Altstadt Berns.
Der Weg zu den Handwerkskünstlern vom Münsterplatz muss bewusst unter die Füsse genommen werden. Mittlerweile ist den meisten Besuchern bewusst, dass es dort keine Massenware, sondern nur individuell hergestellte Unikate aus Ateliers und Werkstätten – vor allem aus der Region Bern – gibt.

Am 6. Dezember besuchte uns der Samichlaus mit dem Schmutzli, und da gab es ein herziges Ereignis: der Samichlaus brachte nämlich allen Standinhabern einen Grittibänz, und die Kinder warteten, bis er sich auch ihnen zuwandte. Ein kleines Mädchen trippelte hinterm Samichlaus her, wenn er bedächtig ging, und blieb mit grossen Augen stehen, wenn er stehen blieb. Dieses Mädchen umkreiste hinterm Chlaus den ganzen Märit! Diese Äugelein! Staunen sollte nie verlernt werden!

Noch eine andere kleine Geschichte: vorgestern beobachtete ich, wie ein japanischer Tourist eine Laterne bei einem unsrer Torbogen öffnete; ich dachte schon was Dummes …, aber dann bemerkte ich, dass er seine Hände still über die Kerze hielt. Es war kalt. Zu kalt.

Am 20. Dezember, 18-19 Uhr, gibt es auf dem Märit ein Konzert ‚Tuba Christmas’ von der Musikschule Konservatorium Bern. Ein Anlass, um den Markt zu besuchen und sich vorweihnächtlich einzustimmen!

Allen eine gute Adventszeit, herzlich, Christa Seiler

Handwerkskunst - ein klein Teil Glück ...

Handwerkskunst – ein klein Teil Glück …

Der letzte Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz ist vorüber, aber die Themen, die uns bewegen, die bleiben. Sie sind zeitlos, oder gar wieder verstärkt zukünftig …

Wozu Handwerk, Handwerkskunst? Sind die Kunsthandwerker nicht alles Nostalgiker, Alternative, die ins letzte Jahrhundert gehören?

Weit gefehlt: schon zum zweiten Mal innert weniger Monate finden sich in der Zeitschrift ‚ZE!TPUNKT’ Artikel rund um die Themen Handwerk, selber herstellen etc. Das Editorial der letzten Ausgabe beginnt mit dem Satz des Herausgebers Christoph Pfluger: ‚Alles Neue begann als Selbstgemachtes’. – Ist das in unserem Bewusstsein, dass ‘alles Neue als Selbstgemachtes begann’?

Christine Ax, die Philosophin und Ökonomin aus Hamburg (s. Artikel im ‚ZE!TPUNKT und Autorin der Bücher ‚Das Handwerk der Zukunft’ und ‚Die Könnensgesellschaft – mit guter Arbeit aus der Krise’) sagt uns allen (den Hand-Arbeitern) eine ‚rosige’, gesunde und glückliche Zukunft voraus: ‚Angesichts einer Arbeitswelt, die immer mehr Menschen nur noch die Wahl zwischen burn-out und bore-out lässt, erscheint es verständlich und notwendig, wieder selber in die Hand zu nehmen, was uns wirklich am Herzen liegt.’

Es scheint grad eine Welle in Gang zu kommen – auch unter Jungen – wieder selber Hand anzulegen, Gemüse zu ziehen, Häuser selber zu planen und zu bauen, Dinge zu flicken und zu verwandeln; zu stricken, zu sticken …! Nicht unbedingt, weil es billiger kommt! Nein: dem Seelenfrieden zuliebe!

Auch ich persönlich bin überzeugt, dass seelische Gesundheit – Lebensfreude, Sorgfalt für Mitmenschen, Materialien und Umwelt, Hinwendung und vieles mehr – zu tun haben mit dem Fingerspitzengefühl, das bei jeder Handwerkskunst, bei jedem Hand-Anlegen vonnöten ist.
Es braucht den ganzen Menschen!
Die Artefakten und die Materialien verlangen von uns eine ihnen gemässe Behandlung: wir stellen uns also mit unserer ganzen kreativen und individuellen Kraft auch in den Dienst objektiver Gesetzmässigkeiten! So bin ich überzeugt, dass ein Gut-Teil der Befriedigung dieses ist: reales Arbeiten mit realen echten Materialien und ihren je eigenen Sinnes-Qualitäten. Wir sind während des Arbeitens gleichzeitig bei uns und in der uns umgebenden Welt: Dieser Brückenschlag ist es, den viele in un-wirtlichen, un-sinnlichen, un-konkreten Arbeitsverhältnissen vermissen …

März 2012
Christa Seiler